Vom Pazifik zum Baikal –Katerina Poladjan, woanders

Eindrücke von der Lesereise, die ich mit meinen Kolleginnen organisiert habe. Fotos sortiert und ausgewählt von der lieben Sabrina 🙂

Sabrinas große Reise an das andere Ende der Welt

Lesereise durch den Fernen Osten Russlands im März 2015

Die vier Lektorinnen der Robert Bosch Stiftung im Fernen Osten Russlands und die DAAD-Lektorin im burjatischen Ulan-Ude haben gemeinsam eine vierwöchige Lesereise mit der deutsch-russischen Lesereise Katerina PoladjanAutorin Katerina Poladjan organisiert. Unter dem Stichwort „Vom Pazifik zum Baikal“ besuchte die Schriftstellerin zwischen dem 26.02. und 20.03. sechs Städte in dem fern gelegenen Areal Russlands: Wladiwostok, Chabarowsk, Blagoweschtschensk, Jakutsk*, Tschita und Ulan-Ude. Während ihrer Lesereise-Stopps wurden gemeinsam mit den Lektorinnen inhaltlich unterschiedlich ausgerichtete Seminare zu dem Roman „In einer Nacht, woanders“ abgehalten. Die Studierenden konnten sich mit Themen wie Identität, Heimat, Migration, Sprache und Stilistik beschäftigen und sich gemeinsam mit der Autorin über ihre persönlichen Meinungen und Ansichten austauschen. Darüber hinaus fanden Übersetzungswerkstätten statt, in welchen Teile des Buches auf Russisch übersetzt wurden. Diese Übersetzungen wurden dann in öffentlichen Lesungen von den Studierenden vorgetragen – Katerina las zunächst die deutsche Passage, die Studenten dann…

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Ostwärts – На восток

Eine kurze Zusammenfassung der letzten 6 Wochen fällt schwer. Noch schwerer fällt es, alles, was ich eigentlich schreiben wollte, auch zu Papier zu bringen. Das Stück über die kulturellen Kleinigkeiten, die mir tagtäglich auffallen, muss zugunsten eines Erlebnisberichtes der letzten Reisewochen wohl doch noch warten.

Nachdem ich in der zweiten Oktoberhälfte vor allem viel gearbeitet habe, weil ich Unterrichtsstunden vorziehen musste, die im November wegen meiner 2,5-wöchigen Abwesenheit ausfallen mussten, konnte ich nach getaner Arbeit am 31.10. nachts in den Zug steigen und Richtung Osten fahren. So habe ich zwar die zahlreichen Halloween-Parties in Tschitas Bars nur im Vorbeigehen (okay, ein Bier war schon drin) erlebt, das Wiedersehen mit meinen Kolleg_innen im Zug war dafür umso schöner. Die anderen waren schon seit Moskau bzw. Irkutsk mit dem Zug unterwegs und zu sechst fuhren wir dann im Platskartnyi-Wagon zarte 32 Stunden weiter nach Belogorsk. Nach einer weiteren Stunde im Großraumtaxi waren wir dann in Blagoweschchensk, wo wir mit den restlichen sechs Russland-Lektor_innen fünf Tage verbrachten. Neben der russlandinternen Vernetzung und den Workshops für die Studierenden haben wir uns über unsere Erlebnisse an den Standorten ausgetauscht und konnten auch ein bisschen was von der Stadt mitnehmen, die sogar laut Reiseführer vor allem durch ihren tollen Blick auf die chinesische Stadt Heihe auf der anderen Seite des Amurs besticht.

Erstmal ein paar Bilder dazu:

Nach getaner Arbeit fuhren wir dann mit dem Nachtzug weiter nach Khabarovsk, der Hauptstadt des Föderationskreises Fernost. Vor allem die Provinzkinder unter uns wischten uns hier die eisigen Freudentränen über so viel städtische, ja schöne Architektur aus den Augen. Der Wind wehte ohne Erbarmen und kühlte das Stadtspaziergangserlebnis auf gefühlte -30°C runter. Dennoch: Die Reise auf jeden Fall wert und im Sommer gerne wieder. Abends stiegen wir ein letztes Mal in den Zug und erreichten nach einer weiteren Nacht Vladivostok, den Ort unserer Herbstakademie mit allen 45 Boschlektor_innen.

Hier etwas aus Khabarovsk:

Vladivostok – wo fang ich da an? Wirklich viel Zeit für die Stadt hatten wir leider gar nicht, aber ich habe trotzdem einen sehr schönen Eindruck von der Stadt mitgenommen. Zum einen hat das deutlich mildere Klima uns noch einmal aus den fetten Winterjacken geholt, zum anderen ist die Stadt sehr angenehm: Schöne Architektur, städtisch, nette Cafés und Kneipen, aber vor allem das Meer! An der Hafenpromenade spazieren zu gehen und Pazifik dabei in der Nase und den Ohren zu haben, kann einfach was. Die Akademie fand auf dem neuen Universitätscampus der FEFU (Far East Federal University) statt, der vor ein paar Jahren auf der Russkyi Ostrov (Russische Insel) aus dem Boden gestampft wurde. Wunderschöne Kulisse, aber ein etwas dystopisches Appeal hat das Ganze. Die Anlage besteht aus einem Halbkreis gleichförmiger, moderner Wohn- und Funktionsbauten, in deren Zentrum das kollossartige Hauptgebäude dominiert. Alles, was Spaß macht, ausgenommen Sport, scheint dort verboten zu sein und gleichzeitig ist man so umzäunt und durch die Lage auf der Insel sowieso von allem abgeschnitten, dass sich ein echtes Wohlgefühl einfach nicht einstellen will. Gleichzeitig sieht auch nie wirklich die Menge von Leuten, die der Größe des Areals entsprechen würden und so kommt man sich zurecht so vor, als wäre man in einem überdimensionierten Prestigeprojekt gefangen. Die gute Gesellschaft, regelmäßige Grenzübertritte und abendliche Fluchtversuche zu Orten des verbotenen Vergnügens haben die Stimmung aber am Kochen gehalten. Inhaltlich haben wir uns mit Projektmanagement beschäftigt, sehr viel auch mit der ganz konkreten Planung von Projekten, die wir dieses Jahr angehen werden. Langweilig war mir ja bisher sowieso nicht, aber ich habe auch in Zukunft nicht die Aussicht darauf, denn mit meinen fernöstlichen Kolleginnen steht im März eine Lesereise mit der Autorin Olga Grjasnowa („Der Russe ist einer, der Birken liebt“) an. Mit meiner Jakutsker Kollegin planen wir ein Blogprojekt über Sibirien und Fernost, näheres dazu bei konkreterem Planungsstand. Aber es wird super! Mögliche Lektor_innentage in Jakutsk und Volgograd und natürlich die Frühjahrsakademie in Pengshan, China, runden nach derzeitigem Planungsstand den Ausblick auf das nächste Jahr ab.

Und nun noch ein paar Eindrücke aus Vladi, das reicht dann für heute! XOXO

Winter is coming.

Niederschlag in Tschita ist unheimlich selten und so freue ich mich tatsächlich über Regentage, denn die ganze Sonne macht vielleicht mich froh, aber nicht die armen Pflänzchen. Gestern war ein solcher Regentag, aber im Laufe des Nachmittags hat er sich in weiße matschige Pampe verwandelt. Der erste Schnee! Abends konnten wir schon das Knacken unter den Schuhen hören und den Schnee riechen. Ein bisschen was davon liegt sogar heute noch, und vorhin war ich kurz im Wald, da liegen bestimmt 10-15cm! Winter is officially coming 🙂 Eines ist mir dabei klar geworden: Die Stadt ist für Regen überhaupt nicht ausgerüstet. Ein normaler Berliner Regentag verwandelt die Straßen hier in reißende Flüsse mit ordentlich Strömung, weil es ja ziemlich hügelig ist. Gullis scheint es irgendwie nicht zu geben für solche Fälle. Überqueren ohne Gummistiefel bedeutet nasse Füße und vor spritzenden Autos sollte man sich definitiv in Acht nehmen. Es sei denn, sie stehen im allgegenwärtigen Feierabendstau.

Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich und so hat sich nun wieder einiges Berichtenswertes angesammelt. Dass ich nicht zum Schreiben komme, sollte aber auf jeden Fall positiv interpretiert werden! Ich muss jetzt langsam doch relativ viel unterrichten, weil ich schon Stunden vorziehe, denn ich bin ja im November für 2,5 Wochen unterwegs. An den letzten beiden Wochenenden war ich auch auf Expedition, einmal im Alkhanay, einem Nationalpark 4 Stunden südlich von Tschita, nahe der mongolischen Grenze. Das ist auch gleichzeitig ein heiliger buddhistischer Ort, deswegen lohnt es sich sowohl landschaftlich als auch kulturell, sich das anzusehen. Der zweite Ausflug war eigentlich eine richtige Reise: 4 Tage Novosibirsk! Dafür bin ich mal eben drei Stunden, drei Zeitzonen und 1800km rübergejettet um mich mit meinen lieben Lektorinnen-Kolleginnen zu treffen, andere Kulturmittler_innen aus Sibirien und Fernost kennenzulernen und dem Empfang des Deutschen Konsulats zum Tag der Deutschen Einheit bezuwohnen. Hallelujah!

Nu davai, fotografii pokazhu (Also los, hier sind Fotos):

Прибывать – Ankommen

Jetzt bin ich tatsächlich schon zwei Wochen hier – oder erst? Es fühlt sich einerseits an, als ob die Zeit verfliegt, andererseits gibt es so viele neue Eindrücke und Erlebnisse, dass es mir schon vorkommt, als wär ich viel länger in Tschita.

Ich habe jetzt alle meine Studierenden kennengelernt: Drei Gruppen sind es, das dritte und vierte Studienjahr mit Hauptfach Deutsch und eine Gruppe im dritten Jahr mit Nebenfach Deutsch. In jeder Gruppe sind ungefähr 8 Studierende – Deutsch ist nicht unbedingt beliebt. Es ist eigentlich sogar so, dass der Lehrstuhl ein bisschen ums Überleben kämpfen muss. Französisch wurde vor ein paar Jahren schon abgeschafft. Nun ja, ich tue, was ich kann, um das Deutschlernen cool und attraktiv zu gestalten 😉 An der Uni ist hier vieles sehr verschult und so sind die Studierenden in festen Klassen organisiert, die eigentlich alles zusammen machen und auswählen kann man, soweit ich das verstanden habe, eigentlich auch nichts. Zwei Gruppen werden auch noch von meinen Kolleginnen in „Praktisches Deutsch“ unterrichtet, eine habe ich allein. So viel Verantwortung! 🙂 Ich bin immer noch dabei, mich an meine neue Rolle als Lehrerin zu gewöhnen, ich brauch noch sehr viel Zeit zur Vorbereitung und jede Stunde ist aufs Neue aufregend und mit viel Ungewissheit verbunden, aber ich bin zuversichtlich, dass sich das in einem Monat oder zweien alles schön eingependelt hat. Meine Studierenden und Kolleginnen sind auf jeden Fall alle sehr lieb. Von Irina bekomme ich auch Russischunterricht und mit Natalya, die auch bei mir im Wohnheim wohnt, gehe ich ab und zu laufen. Demnächst stell ich sie mal ausführlicher vor!

Neben dem Unterrichten biete ich noch zwei Mal pro Woche einen Deutsch-Stammtisch an, für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Zu den ersten Terminen letzte Woche kamen sechs bzw. fünf Leute, das hat mich echt gefreut, weil ich eigentlich eher erwartet habe, mit zwei oder drei Leuten dazusitzen. Für die nächsten Wochen wollte ich mir dann mal ein paar Aktivitäten überlegen, kochen zum Beispiel oder Filmabende. Und darüber hinaus fang ich kommende Woche auch noch an, an einer Schule zu unterrichten. Ich soll dort die Schüler_innen der 9. bzw. 11. Klasse auf ihre bevorstehenden Deutsch-Prüfungen vom Goethe-Institut vorbereiten. Hallelujah! Ich bin gespannt, wie es mit denen wird, da muss ich dann vielleicht auch mal die Peitsche rausholen, wenn 14 pubertierende Neuntklässler_innen vor mir sitzen 🙂

Langweilig wird es mir auf jeden Fall nicht, auch wenn man in der Stadt sonst nicht so viel machen kann – außer natürlich, sich mit netten Leuten zu treffen. Es gibt eigentlich nur eine Kneipe, die mir von allen genannt wird, wenn ich frage, wo man hier so hingehen kann. Dort war ich nun auch schon mehrfach und bin doch sehr erstaunt darüber, dass das Bier teurer ist als in Berlin! Es ist allerdings auch alles Importbier, denn es handelt sich um ein Irish Pub. Dennoch – umgerechnet 4-6 Euro für ein Bier ist ganz schön happig und ich verstehe auch, warum die meisten Leute sagen, dass sie wenig bis gar nicht ausgehen – was natürlich nicht heißt, dass sich nicht zu feiern wissen 🙂 Mit meinem Russisch komme ich mittlerweile auch schon ziemlich gut durch – das hab ich vor drei Wochen noch nicht im Traum gedacht. Mit ein bisschen Hilfe von Google Translate (Smartphone ahoi!) kann ich längere Gespräche führen, die über Smalltalk weit hinaus reichen. Dass es dabei ab und zu zu Missverständnissen kommt, bleibt natürlich nicht aus 🙂

Neben dem Booze ist auch das Essen hier – besonders natürlich Obst und Gemüse – wirklich nicht billig, mal abgesehen von den Grundnahrungsmitteln. Wer keine Datscha hat und Gemüse anbaut, der muss schon recht tief in die Tasche greifen, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Löhne hier im Durchschnitt vielleicht 500 Euro im Monat oder weniger betragen. Und die Qualität ist häufig auch jenseits von hervorragend. Aber nun gut – eto Rossija (Das ist Russland). Ab und zu schenken mir meine Kolleginnen Tomaten und Eingewecktes von der Datscha, so wird mir auch ein bisschen mit Liebe gezogenes Gemüse zuteil. Die Auswahl ist auch wirklich ein bisschen traurig. Selbst ein großer Supermarkt hat eine Gemüseabteilung, die aus einem drei Meter langen Regal besteht. Frischen Salat, Broccoli oder Champignons hab ich hier noch überhaupt nicht gesehen, eigentlich gibt es vor allem Tomaten, Gurken und Paprika – von Kartoffeln und Kohl natürlich abgesehen! Interessant ist, dass die Avocados, auf die ich gehofft hatte, um was Veganes aufs Brot zu haben, gerade von der EU sanktioniert werden, weshalb sie hier überhaupt nicht mehr zu bekommen sind. Also – Avocadoschmuggel könnte ein interessantes Geschäft werden, schließlich lieben die Leute hier auch Sushi.

Kommen wir jetzt aber doch mal zu ein paar Photos, schließlich bin ich auch schon in den Genuss von zwei Ausflügen in die Umgebung gekommen, die gerade mit ihren tollen Herbstfarben gelockt hat. Leider ist dieses farbenfrohe Geschehen nun schon fast vorbei – die sibirischen Jahreszeiten sind eben schnelllebig, bis auf den Winter natürlich.

So long…. Пока, Фрида

Privet, Tovarishi!

So, hier issa nun, mein Blog. Nach nun fast sechs Tagen in Tschita gibts erstmal eine Sammlung meiner ersten Eindrücke von der Stadt. Gesammelt habe ich die auf meinen Spaziergängen, die ich fast jeden Tag unternehme, solange das Wetter noch so schön ist. Soll wohl noch 1-2 Wochen anhalten! Ansonsten rollt so langsam mein Unterricht an, ich hab am Mittwoch meinen ersten Kurs unterrichtet. Es war erstmal eine Kennenlernstunde mit 4 Studentinnen, die aber sehr nett zu mir waren. Ich denke, es hat ihnen auch Spaß gemacht. Jetzt erstelle ich gerade Semesterpläne und Bewertungsschemata für meine 3,5 Kurse, ganz lehrer-like 🙂 Nächste Woche wirds dann richtig ernst, da unterrichte ich 4 Kurse und lerne meine beiden anderen Klassen kennen. Von der Uni und meinen Kolleginnen werde ich später mal ausführlicher berichten!

Also, bitteschön, wat zum kieken! Bitte nicht die Kommentare zu den Bildern übersehen (muss man ggf. runterscrollen), da steht der ganze Kontext. Eigentlich wollte ich die Bilder auch einfach in den Blogeintrag einfügen, aber als WordPress-Neuling hab ich das wohl noch nicht ganz geblickt. Vielleicht später!